Mathias Bröckers und Gerhard Seyfried
Aus nachtschatten25
50 Jahre Roger – 25 Jahre Nachtschatten
Eine Laudatio von Gerhard Seyfried und Mathias Bröckers
Fünfzig Jahre sind passé
Seit in der schönen Schweiz
Ein kleiner Mann geboren ward
Sein Name war Roger.
Er wuchs heran und wurde groß
Den lieben Eltern dafür Dank!
Es folgt, wie in Helvetien Brauch:
Die Lehre bei der Bank.
Doch jeden Tag nur Franken zählen
Konten prüfen, Schuldner quälen
Zinsen rechnen und Gewinn
Macht als Lebenszweck kaum Sinn.
Und so dachte sich Roger
»Ich tauge echt nicht zum Bankier«
Kaum war die Banklehrzeit vorbei
Saß er im Flieger nach Mumbai.
Um dort, an Indiens Gestaden
Mit ein paar Trips vorbei am Zoll
Die große Frage zu erkunden
Was er denn künftig machen soll.
Nach einer Dosis LSD
Kam die erleuchtete Idee
Ich mach es kurz, ich hab es eilig:
Ich werde Yogi, werde heilig!
Es waren Albert Hofmanns Tropfen
Die, psychedelischer als Hopfen,
In ihm den frommen Wunsch erweckten
Ich werde Sadhu bei den Sekten!
Ein Hippie kam dahergeschlendert
»Na, junger Mann, hat’s dich verändert?«
Und Roger strahlte voller Glück:
»Ich geh nicht mehr nach Haus zurück!
Ich ziehe zum Erleuchtungszwecke,
Ins nächste Ashram um die Ecke.«
Der Hippie lächelte nur weise:
»Ach Alter, die Idee ist Scheiße!
Du bist für Besseres zu brauchen
Als permanentes Shilom-Rauchen
Zu Shivas Ehren Mantras singen
Stäbchen räuchern, Glöckchen klingeln
Du bist kein Inder und kein Neger!«
»Na gut, dann werd ich halt Verleger«
Sprach Roger – und gesagt, getan
Fing er sofort damit an.
In Solothurn ließ er sich nieder,
Ein Städtchen, sonnig, brav und bieder.
Und druckte Bücher über Drogen,
Bis sich die Bodenbretter bogen.
Er druckt bei Nacht und druckt am Tag
In seinem Nachtschattenverlag,
Der aufklärt über die Substanzen,
Die man so braucht zum Feiern, Tanzen
Und zur Erweiterung der Sinne,
Hilfreich auch bei Sex und Minne.
Von Cannabis bis zur Alraune:
Rauche – Staune - gute Laune!
So stehts im Liggenstorfer-Wappen,
Umkränzt von Pilzen, Pillen, Pappen
Sowie von Pulvern für die Nase
Und allen Pflanzen der Ekstase.
Die freilich allesamt bedroht,
Von Unterdrückung und Verbot,
Weshalb dem Staat als Diktatur
Nichts Bess’res einfällt als Zensur.
Doch Drohungen vom Staatsanwalt
Lassen Roger eher kalt,
Denn eines kann man sicher sagen
Er läßt sich nicht ins Alphorn jagen
Seit 25 Jahren schon
Trotzt er der Drogenrepression
Und kämpft seit Jahr und Tag enorm
Für Aufklärung und für Reform.
Und stellt das Wissen uns bereit
Zum Ziel der Drogenmündigkeit:
»Es kommt nur auf die Dosis an
Ob etwas giftig wirken kann.«
So steht Roger, ihr ahnt es schon
In Paracelsus’ Tradition
Die in Basel ja zuletzt
Von Albert Hofmann fortgesetzt,
Der auf der schönen Rittimatte
ein sehr, sehr langes Leben hatte.
Mit Fünfzig, wenn auch extra breit,
bist Du, Roger, erst halb so weit!

