17.10.1984

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Auslieferung des ersten Nachtschatten-Buches "Hanf in der Schweiz"

Am 17. Oktober 1984 war es soweit, der Nachtschatten Verlag – seinerzeit noch in Grenchen beheimatet – konnte sein erstes Buch »Hanf in der Schweiz – über Ursprung, Kultur, Forschung, Zucht und Gesetz« der interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Das Buch wurde von Thomas Kessler herausgegeben und enthielt nebst den eigenen auch Beiträge von René Lips, Roger Liggenstorfer, Urs Karpf sowie ein Vorwort von Daniel Leu.

Der Herausgeber Thomas Kessler befasste sich seit 1977 mit der Cannabis-Thematik. Er vertrat schon früh die Meinung, dass eine liberale Drogenpolitik, gekoppelt mit repressiven Elementen, gesellschaftliche Probleme lösen könnte. Von 1987 bis 1991 saß er für die Grüne Partei im Zürcher Kantonsrat und dort in der Justizverwaltungskommission. Von 1991 bis 1998 war Kessler Drogendelegierter der Stadt Basel. Zusammen mit seinen politischen Vorgesetzten entwickelte er das Vier-Säulen-Modell der Drogenpolitik, das Prävention, Repression, Therapie und Überlebenshilfe umfasst. Mit einer liberalen und basisnahen Politik, der Einführung von Gassenzimmern (Fixerstuben) und Heroinverschreibung, gelang es, die offene Drogenszene aufzulösen. Dieses Modell führte unbestritten zu einer Beruhigung des Drogenproblems und wurde bald schweizweit und auch in anderen Ländern kopiert. Seit 1996 ist Kessler Mitglied der Eidgenössischen Expertenkommission für Drogenfragen. Seit 1998 ist Kessler Integrationsbeauftragter des Kantons Basel-Stadt, genauer: Delegierter für Migration und Integration sowie Leiter der Integrations- und Anti-Diskriminierungsstelle und Mitglied der Projektleitung Integrale Stadtentwicklung. Er entwickelte das Basler Integrationsmodell. Kessler ist Gastdozent an höheren Fachschulen und Universitäten im In- und Ausland. Zudem ist er Länderexperte und Leiter der wissenschaftlichen Entwicklungsanalysegruppe der UNO. Der Bundesrat wählte ihn im Dezember 2007 erneut für vier Jahre in die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen und neu in die Eidgenössische Kinder- und Jugendkommission.

Das Buch »Hanf in der Schweiz« umfasste gerade einmal 70 Seiten, fand jedoch in den Medien eine große Resonanz, weil bis zum Erscheinen dieses Fachbuches über die Hanfkultur in der Schweiz wenig bekannt war, insbesondere nicht, dass in der Schweiz auch für Kiffer genießbare Sorten wuchsen. So berichtete das Boulevard-Blatt »Blick« am 18. Oktober 1984 unter dem Titel »Experten perplex: Schweizer Marihuana ist erstklassig« von jahrelangen Versuchen eines Zürcher Agronomen, der im Auftrag der Universität Bern Cannabis anpflanzte und die Entdeckung machte, dass seine Pflanzen trotz rauhem Klima weit mehr von der rauscherzeugenden Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) enthielten als eingeführte Ware. Das Magazin »Tell« (Nr. 21, 18. Okt. 1984) widmete dem Buch und der Thematik sogar ganze fünf Seiten. In diesem Artikel wurde sehr präzise über die Potenz des Schweizer Hanfes berichtet. Schweizer Hanfharz (Haschisch) einer Spitzensorte erreichte 1982 den Extremwert von 17,7% THC, mehr als jemals zuvor in Haschisch gemessen worden war. 1983 enthielt das beste in der Schweiz geerntete Gras, das Untersucht wurde, 7,1% THC, das beste Schweizer Haschisch 23,4% THC.

Die Öffentlichkeit wollte jedoch mehr zum Thema wissen. Deshalb erfolgte im Sommer 1985 eine erweiterte Fassung des Buches (2. Nachtschatten-Buch, 200 Seiten) unter dem Titel »Cannabis Helvetica – Hanf in der Schweiz – Hoffnung für die Drogenpolitik«. Das von Thomas Kessler herausgegebene Buch enthielt wieder ein Vorwort von Daniel Leu (Biochemiker, Wissenschaftsautor) sowie Beiträge von Peter Albrecht (Strafgerichtspräsident in Basel-Stadt), Hans Kind (Ordinarius für Psychiatrische Poliklinik, Psychotherapie und psychosomatische Erkrankungen, Direktor der Psychiatrischen Poliklinik im Universitätsspital Zürich), Andreas Giger-Gschwend (Publizist im Bereich der angewandten Sozialforschung), Thomas Morgenthaler (Narkosehelfer, Publizist) und Andreas Manz, seinerzeit Assistenzarzt bei den Externen Psychiatrischen Diensten Baselland.

Die beiden hier beschriebenen Bücher sind inzwischen vergriffen. Eine überarbeitete und erweiterte Neufassung erschien 1991 unter dem Titel »Neue Wege in der Drogenpolitik – Geschichte des Hanfs und der Drogenprohibition«. Das von Roger Liggenstorfer herausgegebene Buch enthielt ein Vorwort von Daniel Leu und Beiträge von Thomas Kessler, Peter Albrecht, Pierre Joset, Andreas Manz, Hans Kind, Andreas Giger, Christian Rätsch, Thomas Morgenthaler und Roger Liggenstorfer.

Eine aktualisierte und erweiterte (240 Seiten) Bearbeitung der Thematik erschien 1999 in der Reihe »Beiträge zur drogenpolitischen Diskussion« im Nachtschatten Verlag unter dem Titel »Hanf-Szene Schweiz – Für eine Regulierung des Cannabis-Markte«. Herausgeber waren Roger Liggenstorfer, François Reusser (Gründungsmitglied und Präsident der Schweizer Hanf-Koordination), Franz Schori (Gründer des »Thuner Hanfblattes« und engagierter Mitarbeiter der Schweizer Hanf-Koordination) und die Schweizer Hanf-Koordination (SHK) selbst.

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